Zu wenige Kinder: Stadt schließt 23 Kitas, aber ohne Kündigungen!

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Noch vor sechs Jahren war Dresden Geburtenhauptstadt, über 6000 Kinder erblickten hier bei uns im Jahr das Licht der Welt. Aktuell sind es nur noch knapp über 4000. Das hat auch zur Folge, dass die damals hektisch ausgebauten Kita-Kapazitäten nun teilweise leer stehen. 

Von den rund 31.000 Kita-Plätzen sind nur knapp 25.300 belegt  - ein Überhang von über 5000 freien Plätzen. Die Statistiker im Rathaus haben sogar ein Überangebot von bis zu 7500 Plätzen in den kommenden Jahren errechnet. Deswegen sollen die Kapazitäten nun stufenweise runtergefahren werden.

„Zuerst beginnen wir mit dem Rückbau von mobilen Raumeinheiten. Acht davon haben schon begonnen, darüber gibt es einen Stadtratsbeschluss. Vier weitere sollen folgen - drei davon in Prohlis und eine mobile Raumeinheit in der Kita Dölzschener Straße“, erklärt Sabine Bibas, Chefin des städtischen Eigenbetriebs Kitas. Danach folgen elf weitere Kitas, die vom Bauzustand verschlissen sind. Welche das sind, erfahren Eltern und Personal in Gesprächen in diesem Monat. In einer dritten Stufe werden dann weitere Schließungen nach einem bestimmten Schlüssel und dem aktuellen Bedarf geplant. Insgesamt sollen so 2500 nicht benötigte Plätze abgebaut werden. 

Die zurückgehende Kinderzahl wirkt sich jedoch auch aufs Personal aus. Über 3000 Erzieherinnen und Erzieher hat die Stadt, die nun aber nicht um ihren Job fürchten müssen. Die Stadtverwaltung verhandelte vorab bereits mit der Gewerkschaft GEW: „Es waren faire und konstruktive Gespräche. Wir haben uns darauf verständigt, dass es keine Kündigungen geben wird. Der Personalabbau wird über Altersabgänge geregelt. Wir wollen auch einen schmalen Einstellungskorridor erhalten“, so Bildungsbürgermeister Jan Donhauser. Zudem sollen die sogenannten „Flexverträge“ in Festverträge umgewandelt werden, das hatte auch bereits die Stadtverwaltung gefordert. Die geht nun auf Druck der Gewerkschaft mit, obwohl das der Stadt jährlich 11 Mio. Euro mehr an Personalkosten verursacht. 

Einen Puffer wolle sich die Stadt auf jeden Fall vorhalten. „Wir dürfen nicht in die Falle laufen, wie in den 90er Jahren, als Einrichtungen rigoros geschlossen wurden“, so Bildungsbürgermeister Jan Donhauser. Auch solle es trotz des ebenfalls zu reduzierenden Personalschlüssel weiter „einen schmalen Einstellungskorridor“ geben. Donhauser weiter: „Trotz der rückläufigen Kinderzahlen und den damit einhergehenden Herausforderungen sehen wir die Chance, Qualität neu zu definieren und gezielt in diese zu investieren“.

Ganztagesanspruch im Hort kommt

Die aktuelle Bevölkerungsprognose 2025 korrigiert die bisherige Annahme zur Geburtenentwicklung deutlich nach unten. Während bislang von einer durchschnittlichen Geburtenrate von 1,4 Kindern pro Frau bis 2035 ausgegangen wurde, geht die Kommunale Statistikstelle der Landeshauptstadt Dresden mittlerweile von 1,3 Kindern pro Frau bis zum Jahr 2035 aus, was einen erheblichen Einfluss auf die Betreuungsinfrastruktur bedeutet. Den Rechtsanspruchs auf ganztägige Betreuung für Grundschulkinder zum 1. August 2026 werde man dennoch fristgerecht erfüllen, so die Stadt. Damit verbunden sei die Weiterentwicklung der pädagogischen Qualität ganztägiger Bildungs- und Betreuungsangebote im Grundschulalter – sowohl strukturell als auch fachlich.

Trotz Kita-Schließungen soll die Trägervielfalt (knapp 80 verschiedene Kita-Betreiber gibt es in Dresden) erhalten bleiben. Man wolle so „nicht kurzfristig auf sinkende Zahlen reagieren, sondern aktiv die Rahmenbedingungen für eine moderne und verlässliche frühkindliche Bildung gestalten“, so das Rathaus,.

Audio:

Kita-Chefin Sabine Bibas erklärt den Schließungszeitplan
Bildungsbürgermeister Donhauser will keine Entlassungen