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  • Die Angeklagte und (links im Bild) ihre Verteidigerin

Autoschmugglerin fährt Mitleidstour - Bautzener Richter setzt Stoppzeichen

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Sie flehte um eine milde Strafe. Sie  wolle zurück zu ihren sieben Kindern und nicht ins Gefängnis. Der Bautzener Amtsrichter Dirk Hertle ließ sich aber nicht erweichen. Er verurteilte die Autoschmugglerin gestern zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten – ohne Bewährung. 

Die Polin war im vergangenen November auf der A4 kurz vor Bautzen festgenommen worden. Sie saß am Steuer eines in Bad Camberg (Hessen) gestohlenen Audi Q5 (Zeitwert 30.000 Euro), hatte keine Fahrerlaubnis, stand unter Drogen. Sie gestand und bereute – und erzählte eine Geschichte, wie sie der Richter in anderen Variationen schon oft gehört hat.  

Die 32-Jährige wollte angeblich in Erfurt Obst und Gemüse sortieren. Dafür habe sie einen Mietwagen bekommen. Über Nacht fuhr sie nach Thüringen. Ein „fremder Mann“ habe ihr dann den Audi Q5 überlassen. Sie sollte das Auto  an die polnische Grenze bringen. Erst später sei ihr klar geworden, dass es ein gestohlener Wagen war. Geld habe sie für die Tour nicht bekommen.

Der Richter nahm ihr die Geschichte nicht ab. Und sein Mitleid hielt sich in Grenzen. Für das Vertrauen der Menschen in die Justiz sei es wichtig, dass Strafen vollstreckt werden. Mit dem Urteil folgte er dem Antrag der Staatsanwältin, die der Angeklagten mit auf den Weg gab: „Sie müssen das ausbaden!“. Da könne kein Auge zugedrückt werden. Die Verteidigerin bat dagegen um eine Bewährungsstrafe.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.