Das letzte große Abenteuer
Von Knut-Michael Kunoth
Stellen Sie sich mal vor, was mir und fünf anderen Reisenden heute Morgen am Görlitzer Bahnhof passiert ist. Wir warten auf den Schienenersatzverkehr in Richtung Weißwasser. Auf der Strecke wird mal wieder gebaut. Aber der Bus kommt nicht. Verspätung? Nein, der Bus ist schon abgefahren, fünf Minuten früher als im Fahrplan ausgedruckt.
Die Ostdeutsche Eisenbahngesellschaft - kurz ODEG - ließ uns buchstäblich im Regen stehen. Ich sprach die Fahrdienstleiterin der DB an. Wieder warten. Zwei, drei Telefonate. Dann kam sie mit einem Gutschein für eine Taxifahrt. Inzwischen hatten sich schon drei Fahrgäste gekümmert, einer wollte bis nach Stralsund.
Endlich, das Taxi rollte an. Auf der Fahrt nach Weißwasser kam ich mit dem Chauffeur ins Gespräch. Er erzählte mir von einem Fahrgast, der unlängst mit dem Linienbus nach Rothenburg wollte. Der Busfahrer habe verzweifelt die Stadt gesucht. Die Fahrgäste lotsten den Mann – gestikulierend - zum Ziel.
Auf dem Rückweg von Weißwasser - heute am frühen Nachmittag - verlief für mich alles reibungslos. Umsteigen in Hähnichen in den Bus. „Jetzt nach rechts!“, „Links, links, nach links!“, „Im Kreisverkehr die Zweite!“ Der Fahrer hatte sich einen Lotsen an Bord geholt. Es war wohl seine erste Fahrt auf dieser Linie Fast ausgelassene Stimmung im Bus Scherze vorn, dahindämmernde Fahrgäste hinten. Und siehe da: Wir erreichten Görlitz! Mit sechs Minuten Verspätung. Damit waren dann die zu „frühen“ fünf Minuten von heute Morgen „beglichen“
Es ist das letzte große Abenteuer der Neuzeit – eine Fahrt mit der Bahn oder mit dem Bus. Gern wieder.
