- Wenn die Lok den Zug nach Leipzig schiebt, riechen die Passagiere nichts. Wenn sie die Waggons nach Chemnitz zieht, muss der erste Wagen gesperrt werden.
- Eine V60-Rangierlok hatte heute Mittag in Leipzig begonnen, Wagen der MRB-Doppelstockzüge zu tauschen. Dann wurde der Wagenwechsel abgebrochen.
Diesel-Alarm! MRB plant Stink-Waggons auszutauschen
Auf der Bahnstrecke zwischen Chemnitz und Leipzig gibt es erneut Probleme. In einigen Zügen dürfen die ersten Wagen direkt hinter der Lokomotive vorübergehend nicht mehr von Fahrgästen genutzt werden. Dadurch fallen jeweils rund 150 Sitzplätze weg. Der Grund: Dieselabgase strömen über die Klimaanlage in die Abteile. Das Eisenbahnbundesamt hatte das angewiesen.
Gesundheitsgefahr durch Abgase
Mehrere Reisende hatten sich über den starken Dieselgeruch beschwert. Fachleute warnen: Diese Abgase können gesundheitsschädlich sein. Experten des Eisenbahn-Bundesamtes bestätigten entsprechende Medienberichte auf Anfrage unseres Senders.
Problematische Zugkombination im Einsatz
Die Ursache liegt in einer bestimmten Kombination von Diesellokomotiven und einem speziellen Typ von Doppelstockwagen. Bei diesen Zügen wird die Frischluft in der Nähe des Auspuffs angesaugt – mit der Folge, dass Abgase in das Wageninnere gelangen können. Aktuell fahren vier solcher Zugkombinationen auf der Strecke nach Leipzig.
Mitteldeutsche Regiobahn reagiert auf EBA-Bescheid
Die Mitteldeutsche Regiobahn (MRB) zeigt sich überrascht vom aktuellen Bescheid des Eisenbahn-Bundesamtes (EBA). In einer Stellungnahme heißt es:
„Die MRB zeigt sich überrascht über den aktuellen Bescheid des EBA (Eisenbahn-Bundesamt, d. Red.), da vergleichbare Diesellokomotiven mit Doppelstockwagen bundesweit nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch aktuell im Einsatz sind. Die eingesetzten Doppelstockwagen verfügen über eine Klimaanlage mit entsprechenden Partikelfiltern, die die Emissionen deutlich reduzieren und zur Verbesserung der Luftqualität beitragen. Zur Klärung des Sachverhalts stehen wir in engem Austausch mit dem EBA.“
Moderne Züge nicht betroffen
Keine Einschränkungen gibt es bei den fünf modernen Triebwagen, die ebenfalls auf der Strecke eingesetzt werden. Diese sind von dem Problem nicht betroffen.
Schnelle Umsetzung der Maßnahmen
In der Pressemitteilung der MRB heißt es weiter:
„Die MRB hat die Vorgaben des EBA-Bescheids selbstverständlich unverzüglich umgesetzt. Konkret bedeutet dies, dass aufgrund einer behördlichen Anordnung…der erste Wagen hinter der ziehenden Lok, in der Regel in Fahrtrichtung Chemnitz, abgesperrt wird. In Fahrtrichtung Leipzig, wo die Wagen von der Lok geschoben werden, bleibt dieser Wagen geöffnet.“
Ältere Waggons als Zwischenlösung
Laut Informationen von Radio Chemnitz wollte die Bahn als kurzfristige Lösung ältere Waggons von Wedler Franz Logistik einsetzen. Bei diesen wird die Frischluft an einer anderen Stelle angesaugt, sodass keine Abgase in die Abteile gelangen. Außerdem haben sie keine Klimaanlage. Der Austausch war noch bis zum Mittag geplant, die WFL-Wagen standen in Leipzig schon bereit. Dann wurde die Aktion gestoppt. Offenbar muss erst getestet werden, ob tatsächlich eine Verbesserung mit dieser Methode herbeigeführt werden kann.
Kritik aus dem Chemnitzer Stadtrat
Scharfe Kritik kommt von der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Chemnitzer Stadtrat. Joseph Israel, mobilitätspolitischer Sprecher („Was es nicht alles gibt…“, d. Red.), erklärte: „Mitten im Kulturhauptstadtjahr ist die wichtigste Anbindung für nationale und internationale Reisende eine rein unzumutbare Belastungsprobe. Für mich als Stadtrat ist es nicht mehr erklärbar, wie es so weit kommen konnte, dass diese wichtige Verbindung solch eine Unzuverlässigkeit und nahezu Unbrauchbarkeit vorweist. Die aktuelle Situation ist nicht hinnehmbar und muss sich so schnell wie möglich ändern!“

