- Der ökumenische Gottesdienst stand unter dem Motto "Zurück ins Paradies?"
- Podiumsdiskussion nach dem Gottesdienst - ganz links Frank Wille von der Wismut
Helmsdorf: Öffnung des Wismut-Geländes bleibt vorerst eine Ausnahme
Die Kirchen der Stadt Zwickau haben sich für den bundesweiten Tag der Schöpfung einen besonders passenden Ort ausgesucht: Rund 500 Christen feierten am Sonntag auf dem Wismut-Gelände Helmsdorf einen ökumenischen Gottesdienst. „Erst eine ziemlich gefährliche Absetzanlage für Rückstände aus der umweltzerstörenden Aufarbeiterung der Uran-Erze und jetzt nahezu blühende Landschaften“, beschrieb Pfarrer Giele den Wandel der 200 Hektar großen Fläche. Dieser Ort zeigt, so Pfarrerin Insa Lautzas, dass wir aus Geschehnissen der Vergangenheit lernen können, und das gibt Hoffnung.
Hier wurde der Natur etwas zurückgegeben - bei aller Freude darüber und bei aller Dankbarkeit wurde über das Areal hinaus geschaut. Die Schöpfung leidet an vielen Orten der Welt weiter, sagte Insa Lautzas in der Predigt und nannte als Beispiel die Waldbrände in diesem Sommer in Spanien, bei denen sich die Folgen der Klimakatastrophe zeigten. Der Schöpfung ihre Schönheit und ihr Gleichgewicht wiederzugeben, dieser Weg sei lang, räumte Gregor Giele ein. Mit Blick auf die Bibel sprach er von mindestens 40 Jahren, aber auch von einer Hoffnung, die Gott Christen schenkt und die langen Atem gibt. Und dann wurde es konkret.
Während die Sanierung der Absetzanlage 300 Millionen Euro gekostet hat, über 30 Jahre gedauert hat und damit ein riesiges Vorhaben war, ging es nach der Predigt um kleine Schritte, um die Schöpfung zu bewahren. Vom Programmheft gab es zirka 20 verschiedene Varianten mit jeweils einer Aufgabe. In dem einen Heft ging es um Fahrgemeinschaften, in dem anderen darum, Leitungswasser zu trinken statt gekauftes Mineralwasser, in wieder einem anderen um einen vegetarischen Tag in der Woche. Diese Aufgaben wurden mit den Nachbarn diskutiert, konnten getauscht werden und sollten anregen, im Alltag etwas mehr zum Umweltschutz beizutragen.
Der „Silbersee“ und das Gelände um ihn herum waren zu DDR-Zeiten ein Sperrgebiet, während der Sanierung blieben Zäune und Tore selbstverständlich stehen. Ende 2023 wurde die Verwahrung der Anlage abgeschlossen. Seitdem war der Gottesdienst vermutlich erst die zweite Möglichkeit für Bürger, sich das Gebiet anzuschauen. In den kommenden Jahren bleibt es dabei, dass das Tor nur zu solchen Anlässen geöffnet wird. Das war bei der Podiumsdiskussion nach dem Gottesdienst zu erfahren.
Wismut-Bereichsleiter Frank Wille sprach von einer schrittweisen Freigabe und erklärte, dass noch Restarbeiten zu erledigen sind und diese bis Mitte der 30er Jahre dauern werden. Als Beispiel nannte er den Abriss der alten Wasserbehandlungsanlage. Wie er uns im Interview sagte, sollen 2030/31 die ersten Teilflächen freigegeben werden.

