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  • Der ockerfarbene Trabant 1.1 fährt durch den Eingang des Chemnitzer Rathauses ins Foyer. Dort ist er Blickfang der Ausstellung über Carl Hahn.

Hier fährt ein Trabi ins Rathaus

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Die Eingangstüren des Chemnitzer Rathauses stehen offen. Von links ragt die geöffnete Tür ins Bild, rechts begrenzt die Wand den Durchgang. Dazwischen schiebt sich ein ockerfarbener Trabant 1.1 langsam ins Foyer. Die Motorhaube ist schon drin, der Fahrer sitzt konzentriert am Steuer. Viel Platz bleibt nicht. Noch ein Stück, noch ein paar Zentimeter, dann hat der Trabi den Eingang geschafft.

Es ist ein Bild, das sofort hängen bleibt. Nicht, weil hier ein Oldtimer laut auftritt. Sondern weil ein Stück sächsische Automobilgeschichte gerade mitten ins Rathaus fährt.

Ein wenig schade ist nur: Der typische Zweitakt-Duft bleibt aus. Auch das legendäre „Remmbemmbemmbemm“ der alten Trabis hallt nicht durchs Foyer. Dieser Trabant 1.1 hat einen Viertaktmotor. Aber gerade deshalb ist er für die gestellt Aufgabe der richtige Wagen. Er steht für den Übergang. Für eine Zeit, in der vieles endete und anderes neu begann.

Der richtige Trabi zur richtigen Geschichte

Der Wagen ist Blickfang der Ausstellung „Carl H. Hahn (1926-2023) – Wie er Chemnitz und Sachsen geprägt hat“. Und er ist mehr als ein Fotomotiv. Der Trabant 1.1 gehört zu den letzten gebauten Modellen dieser Reihe. Er erzählt von Sachsen, von Automobilbau, von Umbruch. Er erinnert an eine Zeit, in der sich die Industrie neu sortieren musste. Genau deshalb passt er so gut zu Carl Hahn.

Denn bei Hahn geht es nicht nur um Lebensdaten und Vorstandsetagen. Es geht um Entscheidungen, die bis heute nachwirken. Um Industrie. Um Arbeitsplätze. Um Chemnitz und Zwickau. Um die Frage, wie eine Region nach der Wende wieder Tritt fasste.

Carl Hahn, Chemnitz und Volkswagen

Carl Hahn wurde 1926 in Chemnitz geboren. Morgen wäre der Chemnitzer Ehrenbürger 100 Jahre alt geworden. Später wurde er Vorstandschef von Volkswagen und einer der prägenden Männer der deutschen Automobilgeschichte.

Für Sachsen ist vor allem eines wichtig: Hahn war maßgeblich dafür verantwortlich, dass sich Volkswagen nach der Wende in Chemnitz und Zwickau ansiedelte. Das war kein kleiner Randvermerk der Geschichte. Das war ein Signal. Für die Region. Für die Industrie. Für viele Menschen, die nach 1990 nicht wussten, wie es weitergeht.

Die Ausstellung im Rathaus erzählt deshalb nicht nur von einem Manager. Sie zeigt auch, wie eng Carl Hahn mit Chemnitz verbunden war. Persönliche Einblicke treffen auf die Geschichte der Mobilitätsregion und den Wandel der Autobranche. Kuratiert wurde die Schau vom Industriemuseum Chemnitz gemeinsam mit dem Museum für sächsische Fahrzeuge. Ergänzt wird sie durch Arbeiten der Urban Sketchers Chemnitz. Sie zeigen vertraute Orte der Stadt und holen die große Industriegeschichte ein Stück näher an den Alltag heran.

Konzert, Ausstellungen und ein Garten

Chemnitz belässt es nicht bei dieser einen Ausstellung. Unter dem Titel „Manager – Visionär – Brückenbauer“ gibt es mehrere Veranstaltungen zum 100. Geburtstag von Carl Hahn.

Am Donnerstagabend folgt ein Festkonzert in der Petrikirche am Theaterplatz. Am Freitag wird im Stadtpark der Carl-Hahn-Garten eröffnet. Auch das ist ein starkes Zeichen. Ein Garten ist kein lautes Denkmal. Er drängt sich nicht auf. Man geht hinein, bleibt stehen, schaut sich um. Vielleicht passt gerade das zu einer Erinnerung, die nicht nur zurückblicken soll. Denn was bleibt von einem Menschen wie Carl Hahn? Natürlich Zahlen, Werke, Entscheidungen. Aber eben auch Orte. Spuren. Geschichten, die eine Stadt weitertragen.

Geschichte mit vier Rädern

Und so steht der Trabi nun im Rathaus. Ohne Zweitakt-Wolke. Ohne Motorenlärm. Aber mit einer Geschichte unter der Haube, die ziemlich gut nach Chemnitz passt. Der ockerfarbene Trabant 1.1 stammt aus dem Bestand der Zeitreise GmbH in Hohenfichte. Er gehört zu den letzten gebauten Modellen dieser Reihe und wurde für die Ausstellung ins Rathaus gebracht. Jetzt er dort, wo ihn viele sehen können: im Rathaus. Als Blickfang, als Erinnerung und als kleiner Hinweis darauf, dass unsere Industriegeschichte nicht an der Wand hängt. Sondern auf vier Rädern vorfährt.