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Jäger kritisieren neues Konzept zum Schutz der „Weißen Zone“

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Jäger im Kreis Görlitz sind sauer. Das neue Tilgungskonzept zum Schutz der sogenannten wildschweinfreien „Weißen Zone“ entlang der Neiße stößt bei ihnen auf Unverständnis. Die geplanten Vorgaben der Allgemeinverfügung würden einer vorübergehenden Enteignung gleichkommen, sagte uns Jäger Marko Broda. Seitens der Behörden sei ein „Drei-Stufen-Modell“ vorgesehen.

Mit der Veröffentlichung der Verfügung bleibe den Jägern zunächst acht Wochen Zeit, um ihr Revier nahezu wildschweinfrei zu halten. Danach wird das Gebiet in Stufe zwei im Auftrag des Sozialministeriums mit einer Drohne überflogen, um die Anzahl der Schweine im Areal zu ermitteln. Wird der Grenzwert von zwei Tieren pro 1.000 Hektar überschritten, könne auf Anordnung im zweiten Schritt ein Abschuss durch einen externen Dienstleister erfolgen. „Uns Jägern wird dann für zwei bis fünf Tage das Jagdrecht entzogen und ein Betretungsverbot zum eigenen Revier verhangen.“, schildert Broda. Anschließend kommt der Jäger in Stufe drei wieder ins Spiel und wird damit beauftragt, sein Revier schwarzwildfrei zu halten.

Um den Jägern die neuen Vorgaben zu präsentieren, hatte das Ministerium zuletzt mehrere Infoveranstaltungen in der Region abgehalten. „Die Stimmung war hitzig.“, so Broda. Auf die Sorgen und Kritikpunkte konnte nur teilweise eingegangen werden. Dennoch ruderte das Ministerium nach heftigen Diskussionen zurück und entschärfte die Regeln etwas. An den Kernaussagen hielten die Behörden allerdings fest.  

„Wir wünschen uns als Jäger ganz einfach mehr Mitspracherecht im Vorfeld. Seit Jahren unterstützen wir an vorderster Front den Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest.“, fügt der erfahrene Schütze hinzu. Seit mehr als 20 Jahren ist Broda als Jäger tätig. Ein solches Vorgehen sei ein Schlag ins Gesicht für alle Jäger, die an der Bekämpfung mitwirken. „Das Jagdrecht muss in den Händen der Jäger bleiben und darf nicht an gewisse Söldnertruppen abgegeben werden!“.  Allein in seinem etwa 1.000 Hektar großen Revier habe Broda seit mehr als anderthalb Jahren keinen einzigen ASP-Fall mehr festgestellt.

Noch in dieser Woche soll die neue Allgemeinverfügung veröffentlicht werden. Broda hofft, dass insbesondere die Sorgen der Jäger wahrgenommen wurden und auch die Zugeständnisse aus den Infoveranstaltungen abgebildet werden.

Bei der „weißen Zone“ handelt es sich um einen Korridor, der durch zwei Zäune begrenzt wird und in dem eingedrungene Wildschweine abgeschossen werden können. Er verläuft entlang der Neiße im Kreis Görlitz. Auch in den Kreisen Bautzen und Meißen gibt es in Sachsen verschiedene Sperrzonen.

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Reporter Toni Herrmann