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Windrad-Plan bestätigt: Nur einer stimmte dagegen

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Der Regionale Planungsverband hat die potentiellen Standorte für Windräder in seiner Versammlung am Montagabend bestätigt. Es geht um 102 sogenannte Vorranggebiete im Elbtal, im Osterzgebirge und in Dresden. Zwei mögliche Standorte befinden sich im Schönfelder Hochland, eins in der Dresdner Heide. 

Der Verband ist per Gesetz zu einem solchen Regionalplan verpflichtet. 1,3 Prozent der Landesflläche müssen bis 2027 für Windenergie ausgewiesen werden.  Der Dresdner Stadtrat Steffen Große, einer von 17 Verbandsräten, stimmte trotzdem dagegen. Als Einziger!

Windrad in Einflugschneise?

„In der Dresdner Heide über den Bäumen ist wohl nur ein Monster-Windrad halbwegs wirtschaftlich zu betreiben. Eine 300m Höhe ist im Gespräch. Wir befürchten neben dem massiven Eingriff in die Waldfläche auch erhebliche Probleme für den Flugverkehr sowohl bei der Landung als auch beim Start im östlichen Flugkorridor“, so Große. Der Flughafen Dresden sei ohnehin gebeutelt genug und bräuchte keine weiteren Einschränkungen. Große ergänzt: „Für die Bundeswehr und das Rettungswesen hätte das Einflüsse für das Tiefflugradar bspw. auf Helikopter. Auch das Helmholtz-Zentrum in Rossendorf  warnte, dass der Infraschall der Windräder ihre hochsensiblen Messgeräte stören würde. Diese Argumente wurden in den Wind geschlagen oder gar nicht erst genannt.“ Durch den Beschluss werden die Flächenpläne von Mai bis Juli nun öffentlich ausgelegt bzw. werden im Internet sichtbar sein. Bürger können ihre Einwände geltend machen. Fällt jedoch ein Standort raus,  muss er durch einen gleichgroßen ersetzt werden, so Große. Im Plan gäbe es keine Pufferflächen. 

Haben Bürger-Einwände eine Chance?

Große ist skeptisch, ob an dem jetzt beschlossenen Plan noch groß gerüttelt wird: „Die Erfahrung mit der Bürgerbeteiligung bei Bauprojekten zeigt, dass Sorgen und kritische Hinweise von der Verwaltung nur zur Kenntnis genommen werden und man sich über diese kritischen Köpfe meist komplett hinwegsetzt. So ist Bürgerbeteiligung nur ein formales Feigenblatt. Die Nachteile der Anlagen werden wegdiskutiert oder ignoriert, da es natürlich auch Profiteure dieser Anlagen gibt. Diese haben es 2022 geschafft über die Koalition von SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP mit tatkräftiger Unterstützung der CDU eine Privilegierung ihrer Anlagen in Bundesgesetzen zu verankern.“ Team Zastrow will deshalb das gesamte Bundesgesetz zum Windkraftausbau gekippt wissen. Man wolle nun weitere Experten zu Rate ziehen, um den Bau in Dresden zu verhindern. 

Das sind die Flächen

Für Dresden wurden insgesamt drei Flächen mit einer Gesamtgröße von 162 Hekar ausgewiesen: die Dresdner Heide (79,8 Hektar), am Triebenberg im Schönfelder Hochland (50 Hektar) und in Rossendorf (33 Hektar). Die komplette Liste aller 102 Standorte in unserer Region finden Sie hier. 

Audio:

Steffen Große im Gespräch mit Radio Dresden

Beschluss folgt Bürgerbeteiligung

„Es handelt sich um einen Planentwurf, der am 23. März in der Verbandsversammlung bestätigt werden muss“,  heißt es aus der Planungsbehörde. Danach erfolge eine öffentliche Auslegung und die Beteiligung der Öffentlichkeit. Ein geordneter Plan war nötig geworden, da die Bundesregierung fordert, bis Ende 2027 mindestens 2 Prozent der Landesfläche für Windenergie auszuweisen. Gäbe es keine Vorrangflächen, könnten Windkrafträder überall dort aufgestellt werden, wo der Bodenbesitzer (z.B. Landwirte oder Waldbesitzer) zustimmen und der Mindestabstand von 1 Kilometer von Wohngebäude eingehalten wird. 

Der Dresdner Stadtrat Martin Schulte-Wissermann rät daher zum konstruktiven Mitgestalten: „Ob wir wollen oder nicht: Die Windräder werden nach Dresden kommen, in die Heide und ins Hochland. Der Stadtrat hat jetzt zwei Optionen. Er kann entweder tobend, stampfend und schnaubend dabei zusehen, wie die Energiewende Einzug hält oder – die schlauere Option – er kann proaktiv auf die Windenergiebranche zugehen und für die Stadtteile und Ortschaften das Beste herausholen. Wenn wir jetzt politisch clever handeln, können wir sowohl die Stadtkasse füllen als auch die Anwohner über Bürger-Energiegenossenschaften an den Erlösen der Windkraft beteiligen.“