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Vom Sonderkreistag: Kreißsaal-Schließung in Kamenz wäre „schlimmer Einschnitt“

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In Bautzen hat der Sonderkreistag zur Zukunft der Geburtsstation in Kamenz begonnen. Abgestimmt werden soll über einen Antrag zum Erhalt der Gynäkologie und Geburtshilfe im Krankenhaus St. Johannes. Eine fraktionsübergreifende Allianz von rund 30 Kreisräten hat sich dafür stark gemacht. Im  Kamenzer Kreißsaal sollen Ende dieses Monats die Lichter ausgehen. Die Geschäftsführung begründete ihre Entscheidung mit  sinkenden Geburtenzahlen, strengeren Qualitätsvorgaben und dem wirtschaftlichen Druck durch die Krankenhausreform. Sie wurde fünf Wochen vor der geplanten Schließung bekanntgegeben

Zahlreiche Zuschauer sind zur Sitzung gekommen, darunter Beschäftigte des Krankenhauses und Hebammen.  Den Gästen wurde zu Beginn Rederecht eingereicht. „Wenn diese Station schließt, entstehen für viele Familien Fahrzeiten bis zu 40 Minuten“, so eine Zuschauerin. Ein werdender Vater, dessen Lebensgefährtin hochschwanger ist, bat die Kreisräte, sich für den Erhalt der Geburtshilfe stark zu machen. Eine Hebamme und dreifache Mutter  - den Tränen nahe - sprach von einem schlimmen Einschnitt für die Familien, sollte es zur Schließung kommen. „Erst letzte Woche hatten wir einen Rettungswagengeburt. Die Patientin kam aus Sebnitz.“  

Schwangere, die im Juni entbinden, hätten Panik, eine andere Klinik nicht rechtzeitig zu erreichen, berrichtete eine niedergelassene Frauenärztin. Alexander Busse, Vater von zwei Kindern, sprach aus der Sicht einer jungen Familie. Bei dem Gedanken, dass in Kamenz an der Grundversorgung gesägt werde, bebe ihm das Herz. „Dann frage ich mich, warum wir hier bleiben und noch ein drittes oder viertes Kind in die Welt setzen sollten.“ Der 26-Jährige appelliere an die Kreisräte, für den Erhalt zu stimmen.

Zum Sonderkreistag wurde die Leiterin des Kamenzer Krankenhauses eingeladen. Sie habe abgelehnt, sagte Landrat Udo Witschas, aber ein schriftliches Statement abgegeben. Das wurde bislang nicht verlesen. „Ich habe ihr verschiedene Termine angeboten, mit ihr noch einmal telefoniert, aber sieh hat abgelehnt.“ SPD-Kreisrat Gerhart Lemm sprach von einer Respektlosigkeit der Klinikleitung.

Der Kamenzer Oberbürgermeister Michael Preuß appellierte an die Kreisräte, ein geschlossenes Signal zu senden.  Es gehe viel mehr als nur um Kamenz. „Es geht darum, dass junge Familien die Region auch künftig als attraktiv empfinden. Wir wollen sie behalten. Und wir brauchen Zuzug.“ 

Der Kreisrat und ehemalige Kamenzer Roland Dantz forderte, die Schließung solange auszusetzen, bis das Sächsische Sozialministerium den Vorgang geprüft hat. 

 

Audio:

Alexander Busse (26), Vater von zwei Kindern