Motiv des mutmaßlichen Kirchenbrandstifters: „Zwistigkeiten mit der Kirche“
Durch kriminalistische Kleinarbeit am Tatort und die Auswertung von Bürgerhinweisen ist die Polizei dem mutmaßlichen Kirchenbrandstifter von Großröhrsdorf auf die Schliche gekommen. Das sagte heute der Amtierende Chef der Polizeidirektion Görlitz, Raik Schulze auf einer Pressekonferenz vor der Kirchenruine. „Die Ergebnisse haben wir zusammengeführt und dem Staatsanwalt vorgelegt. Das hat gereicht für einen Haftbefehl.“ Der Tatverdächtige befindet sich seit vergangenem Samstag in Untersuchungshaft. Er habe die Tat zugegeben und sei danach auch etwas erleichert gewesen, so Schulze: „Wir gehen davon aus, dass sich der Mann in einer schwierigen persönlichen Lebenssituation befunden hat.“ Nähere Angaben zum Motiv machten die Ermittler nicht.
Wer ist dieser Mann, der die Stadtkirche von Großröhrsdorf angezündet haben soll?
Ein 40-jähriger Deutscher, ein Familienvater, geschieden. Er lebt in einem Dorf bei Pulsnitz, also nicht in Großröhrsdorf. Gegen ihn laufen weitere Ermittlungsverfahren in anderen Bundesländern. In einem Fall wird ihm auch fahrlässige Brandstiftung vorgeworfen. Zu Spekulationen von Einwohnern aus Großröhrsdorf, dass der Mann mit dem Brandanschlag in der Kirche verhindern wollte, dass sich seine ehemalige Lebenspartnerin erneut das Jawort gibt, wollte sich die Polizei nicht äußern. Der ermittelnde Staatsanwalt sprach vage davon, dass es wohl zwischen dem Beschuldigten und der Kirche Zwistigkeiten gegeben habe.
Bei den Einwohnern von Großröhrsdorf herrscht einerseits Erleichterung. Andererseits haben sie noch viele Fragen - vor allem nach dem Warum. Sie können die Tat noch immer nicht fassen.
In der Nacht zum 4. August hatte ein Feuer die Barockkirche der Kleinstadt zur Ruine gemacht. Die Flammen zerstörten Dachstuhl, Kirchenschiff und einen Teil des 50 Meter hohen Glockenturms. Viele historische Kunstschätze und Architekturteile sind verloren, darunter Taufstein und -schale, Kanzel, Orgel, Emporen sowie die geschnitzte Madonna aus dem 15. Jahrhundert und eine Nachbildung des Altars der Leipziger Thomaskirche.
Die Spendenbereitschaft ist weiter ungebrochen. Auf dem Konto der Kirchgemeinde sind über 150.000 Euro eingegangen.
