Neue Ersthelfer-App für Notfälle
Im September startet für Dresden sowie für die Landkreise Meißen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge eine Smartphone-basierte Alarm-App, die in Notfällen noch schneller Hilfe zum Patienten bringen soll.
Sogenannte Ersthelfer mit medizinischer Ausbildung sollen z.B. bei einem Herz-Kreislaufstillstand die Zeit mit Erster Hilfe vor Ort die Zeit überbrücken bis der Rettungswagen kommt. Denn die ersten vier Minuten sind beim Herzstillstand entscheidend, da durch den fehlenden Sauerstoff im Gehirn irreversible Schäden entstehen können.
Warum in einem Ernstfall jede Minute zählt
Über 50.000 Menschen erleiden jährlich in Deutschland einen Herz-Kreislaufstillstand. Nur etwa zehn bis 15 Prozent der Patienten überleben – trotz der Fortschritte in der Notfall- und Intensivmedizin. Yacin Keller gehört zur ärztlichen Leitung des Rettungsdienstbereiches Dresden und erläutert: „Beim Herzkreislaufstillstand sollte die Zeit zwischen Kollaps und Beginn der Wiederbelebungsmaßnahmen weniger als vier Minuten betragen, um ein Überleben ohne ausgeprägtes neurologisches Defizit zu erreichen.“ In so kurzer Zeit sind die Rettungssanitäter jedoch so gut wie nie vor Ort. Auf dem Land dauert es sogar noch viel länger.
Der Leiter des Brand- und Katastrophenschutzamtes Dr. Michael Katzsch ergänzt: „Es gehört zur Realität, dass ein Beginn der Wiederbelebung innerhalb von vier Minuten vom professionellen Rettungsdienst inklusive der Leitstellendisposition zeitlich meist nicht zu leisten ist.“
Erste Hilfe unterstützt durch App „Region der Lebensretter“
Seit Juli konnten sich qualifizierte Ersthelfer, die in Dresden oder in den Landkreisen Meißen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge leben, über die App „Region der Lebensretter“ registrieren. 575 haben dies nach Aussagen von Notärztin Dr. Maria Reden schon getan.
Ab September werden diese Personen dann im Notfall durch die Integrierte Regionalleitstelle (IRLS) Dresden alarmiert. Die Voraussetzungen dafür sind einerseits die Registrierung und anderseits der Aufenthalt in unmittelbarer Nähe zu einem Patienten mit Herz-Kreislaufstillstand. Sobald ein Notruf eingeht, wird parallel zum Rettungsdienst eine Info an die Smartphones der Lebensretter gesendet. Die Auswahl, welche Personen alarmiert werden, übernimmt das System. Es ortet registrierte Ersthelfer und wählt bis zu vier Lebensretter auf der Grundlage ihrer Entfernung zum Notfallort und dem von ihnen benutzen Verkehrsmittel (zu Fuß, mit Fahrrad oder Auto) aus. Dazu kommt eine optimale Aufgabenverteilung: Zwei Personen führen abwechselnd die Herzdruckmassage am Patienten durch. Eine dritte Person wird zu einem öffentlich zugänglichen Automatischen Externen Defibrillator (AED) geleitet, der in einer Datenbank gelistet ist und bringt diesen zum Patienten. Der oder die vierte Helferin weist den Rettungsdienst ein. Gemeinsam hält das Team den Patienten am Leben, bis der Rettungsdienst eintrifft.
Vier Jahre hatten Rettungsdienste, Krankenhäuser und Ärzte für das System gekämpft, insgesamt kamen 50.000 Euro für die Finanzierung über Crowd funding und Spenden von verschiedenen Einrichtungen zusammen,