- Nach einem Verfahrensfehler wird der Brandanschlag an der Annenstraße erneut verhandelt. Drei Angeklagte stehen wieder vor Gericht.
Prozess in Chemnitz: Brandanschlag wird neu verhandelt
Im Landgericht Chemnitz läuft aktuell ein Prozess, der schon einmal entschieden war. Jetzt beginnt alles von vorn. Drei Männer hatten in Chemnitz versucht, einen Bekannten mit Molotowcocktails zu töten. Dafür wurden sie wegen versuchten Mordes und schwerer Brandstiftung verurteilt.
Ein Urteil – und die Revision
Die Angeklagten Bilal A. (21), Ibrahim A. (22) und Bassel A. (29) waren zu Haftstrafen zwischen sechseinhalb und neuneinhalb Jahren verurteilt worden. Die Verteidiger legten Revision ein. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil auf und verwies den Fall zurück nach Chemnitz.
Doch es gab einen Verfahrensfehler. Ein Zuschauer hatte im Prozess unerlaubt Fotos gemacht und wurde deshalb an späteren Verhandlungstagen nicht mehr in den Saal gelassen. Zu Unrecht, so der Bundesgerichtshof und ordnete die neue Verhandlung an.
Die Tat im Juni 2023
Der Prozess führt zurück zur Tatnacht. Die drei Angeklagten sollen zunächst an einer Tankstelle an der Annaberger Straße Benzin gekauft und bezahlt haben. Später stellten sie auf einem Spielplatz im Reitbahnviertel Molotowcocktails her. Dafür nutzten sie Glasflaschen und Stoffreste als Zündmaterial. Im Hinterhof eines Mehrfamilienhauses an der Annenstraße begann der Angriff. Ein erster Brandsatz verfehlte sein Ziel und landete auf einem Balkon ohne zu zünden. Danach sollen zwei der Männer in das Gebäude gegangen sein und die Wohnung betreten haben. Dort setzte ein Brandsatz das Wohnzimmer in Brand. Ein weiterer zerbrach im Flur.
Folgen für Bewohner und Gebäude
Der Rauch breitete sich im gesamten Haus aus. Es soll auch zu einer Verpuffung gekommen sein, dabei wurden Türen beschädigt. In dem Gebäude lebten mehrere Parteien. Das vorgesehene Opfer schlief während des Geschehens in einem Nebenraum und wurde von Einsatzkräften geweckt und gerettet. Es erlitt eine Rauchgasvergiftung. Auch weitere Bewohner wurden durch Rauch verletzt. Mehrere Wohnungen waren vorübergehend nicht bewohnbar. Der Sachschaden wird auf rund 145.000 Euro geschätzt.
Hintergrund der Tat
Nach bisherigen Erkenntnissen könnte ein Streit im Drogenmilieu Auslöser gewesen sein. Hinweise darauf ergaben sich aus Funden am Tatort sowie aus Aussagen im Ermittlungsverfahren.
Prozess beginnt erneut
Der Prozess wird nun am Landgericht Chemnitz neu verhandelt. Die Vorwürfe bleiben unverändert. Es geht weiterhin um versuchten Mord und schwere Brandstiftung. Für die Neuauflage sind mehrere Verhandlungstage angesetzt. Der Fall wird damit noch einmal vollständig geprüft.
