Sachsens Städte arbeiten an Hitzeschutz - Minister Günther ermutigt
Hitze im Sommer mit Temperaturen jenseits der 30 Grad lassen auch sächsische Kommunen schwitzen - bei Überlegungen zu Schutzkonzepten. Verbindliche Vorgaben für Städte und Gemeinden zum Umgang mit und Verhalten bei hohen Temperaturen gibt es derzeit nicht, sagte Ralf Leimkühler vom Sächsischen Städte- und Gemeindetag. Die Kommunen wählten eigene Informationskanäle und Konzepte, die Großstädte Dresden, Chemnitz und Leipzig seien Vorreiter. „Deren Stadtgebiete sind aufgrund der besonders dichten Besiedelung und der damit verbundenen Flächenversiegelung in herausgehobenem Maße von Hitze betroffen.“
So informieren viele Kommen auf ihren Homepages zum Verhalten an heißen Tagen, Vorsorge, Gesundheitsgefahr. Umweltminister Wolfram Günther (Grüne) ermuntert sie zur Erstellung von Hitzeplänen. „Die Klimakrise ist in dicht bebauten Siedlungen eine besondere Herausforderung. Für die Menschen genauso wie für die Natur“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Da gehe es um handfeste Gesundheitsfragen. „Für die Stadtnatur, für Bäume und Sträucher geht es ums Überleben, wenn infolge der Hitze zu wenig Wasser da ist.“
Sie wiederum sind laut Günther wichtige Bausteine für ein gesundes Stadtklima. „Hitzeinseln, geringere Abkühlung in der Nacht, fehlendes Stadtgrün in manchen Quartieren: Die Herausforderungen sind groß.“ Viele Kommunen seien schon aktiv, das Land unterstütze etwa mit Förderung von Stadtgrün. „Mit unserer neuen Förderrichtlinie Energie und Klimaschutz gibt es dafür noch mal einen neuen sehr kräftigen Schub – mit einer Viertelmilliarde Euro.“
Dresden will bis 2024 einen Hitzeaktionsplan erarbeiten. Am Donnerstag stellte das Gesundheitsamt den Grundstein zu dessen Entwicklung vor, ein Hitze-Handbuch. Es sei das deutschlandweit erste dieser Art.
Das Handbuch ist Teil des Projekts HeatResilientCity, für das ein interdisziplinäres Team seit 2017 erforscht, wie Stadtquartiere und Gebäude besser an sommerliche Hitze angepasst werden können. Am Beispiel des Stadtteils Gorbitz wurde untersucht, welche Faktoren die Hitzebelastung beeinflussen.
Auch Leipzig hat sein Stadtklima analysiert und will bis Jahresende einen Hitzeaktionsplan verabschieden. Tipps und Hinweise sind bereits im Internet abrufbar, zudem gibt es Hitzeflyer, auch in den zehn meistgesprochenen Fremdsprachen in der Stadt. Eine Erfrischungskarte soll zu kühlenden Orten führen, die Wasserwerke bauen jährlich zwei Trinkbrunnen, es werden Grün- und Verdunstungsflächen sowie Schattenplätze geplant und gesichert, um den Hitzeinseleffekt zu minimieren.
Bei neuen Gebäuden wird auf Dach- oder vertikale Begrünung mit dämmender und abkühlender Funktion sowie helle Fassaden zur Minimierung der Aufheizung geachtet. Ein Straßenbaumkonzept hilft, Fußwege und Fassaden zu verschattet, pro Jahr sollen 1000 zusätzliche Bäume gepflanzt werden. 2024 stehen nach Rathausangaben eine Million Euro für Klimaanpassungsmaßnahmen zur Verfügung sowie jährlich eine halbe Million zur Förderung der Dachbegrünung.
In Plauen fehlen personelle und finanzielle Ressourcen, um sich dem Thema vollumfänglich zu widmen, wie Bürgermeisterin Kerstin Wolf sagte. Man erarbeite stattdessen ein Klimaanpassungsmanagement, inklusive Hitzebelastungskarte und Analyse zur Verschattung. Versiegelungen werden begrenzt, Grünflächen ausgeweitet, Brachen revitalisiert. Geplant ist eine Klimainsel und die Bevölkerung aufgerufen, mit Baum- oder Gießpatenschaften zu Verschattung und Abkühlung beizutragen.
Chemnitz entwickelt einen Hitzeaktionsplan auch mit dem Ziel, über gesundheitliche Auswirkungen infolge extremer Hitze zu kommunizieren und vorzubeugen. Er soll nach Rathausangaben kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen enthalten. Zwickau setzt auf eine Klimaanpassungsstrategie. Es wurden besonders hitzegefährdete Stadtteile identifiziert, eine Klimafunktions- und Planungshinweiskarte ist Grundlage der Bebauung. Derzeit entsteht eine neue Bewässerungsanlage in einem Park. Diese Realisierung Grüner und Blauer Infrastruktur muss nach Ansicht von SSG-Vize-Geschäftsführer Lehmkühler gefördert werden. (dpa )
