Traum vom Görlitzer Weltkulturerbe geplatzt
Aus der Traum vom Görlitzer Weltkulturerbe. Die Bewerbung der Stadt hat es zum zweiten Mal nicht auf die sogenannte Tentativliste geschafft. Oberbürgermeister Octavian Ursu bedauerte die Entscheidung der Kultusministerkonferenz. Görlitz hatte sich unter dem Titel „Ein Architekturensemble von Kaufleuten an der Via Regia“ beworben.
Die Stadt scheute weder Kosten noch Mühen. Sie engagierte den Experten Barry Gamble, er sollte Görlitz mit seiner Expertise den Weg auf die Weltkulturerbeliste ebnen. Er hat schon mehrere Kandidaten zum Erfolg geführt. Nicht aber Görlitz.
Die Stadt hatte sich vor neun Jahren das erste Mal als Kandidat empfohlen, war aber nicht bis auf die nationale Vorschlagsliste gekommen. Görlitz wurde damals vorgeschlagen, die Unterlagen zu überarbeiten und zu konkretisieren und sich damit zu einem späteren Zeitpunkt neu zu bewerben.
Warum wurde der Antrag abgelehnt?
Aus der Begründung der Kultusministerkonferenz:
„Der Titel des Antrags ,Görlitz: Ein Architekturensemble von Kaufleuten an der Via Regia' entspricht nicht den Bestandteilen des vorgeschlagenen Guts: es wird weder ein Architekturensemble von ,Kaufleuten' noch von “Kaufmannshäusern„ vorgeschlagen, sondern das mittelalterliche Zentrum mit seinem zweifellos eindrucksvollen Baubestand am Zusammentreffen der beiden großen Straßen, die Görlitz durchlaufen.
Die Bezüge zur Via Regia sind nicht eindeutig genug erklärt oder begründet. Des Weiteren fehlen im Antrag sowohl eine städtebauliche, wie eine architektonische Beschreibung des beantragten Guts, die Darstellung der Genese der architektonisch-städtebaulichen Entwicklung und internationale Vergleiche...Auch während der Begehung konnte die Argumentation der Antragstellenden nicht an der bauhistorischen Substanz nachvollzogen werden. Das lässt darauf schließen, dass die Grundlagenforschung weiterhin fehlt, was bereits im Tentativlistenverfahren von 2013/14
beanstandet worden war...
Die Görlitzer Hallenhäuser sind oft Varianten andernorts (u.a. Frankreich) ebenfalls vorhandener Bautypen. Der Handel mit Tuch ist auch für Görlitz kein Alleinstellungsmerkmal und reicht nicht aus. Dass sich am Untermarkt die städtische Verwaltung mit Rathaus und die wichtigen Kaufmannsfunktionsbauten wie Stadtwaage und Börse konzentrieren, was laut Antrag eine besondere städtebauliche Entwicklung darstelle, konnte ebenfalls nicht als Alleinstellungsmerkmal bestätigt werden. Dies ist in zahlreichen anderen Städten, gerade in Flandern, den Niederlanden und in Norddeutschland und zuvor bereits in Italien oftmals sehr viel ausgeprägter vorhanden, also eine Selbstverständlichkeit innerhalb der städtebaulichen Entwicklung der Renaissance bei Kaufmanns- und Bürgerstädten oder Freien Reichsstädten, und somit keine Besonderheit.
