++ EIL ++

Löbauer verschleppt und misshandelt - Urteil in Görlitz

Zuletzt aktualisiert:

Sie hatten einen Löbauer  geschlagen, gedemütigt,  entführt und ausgeraubt. Splitternacht ließen sie ihn an einem Winterabend im Januar im Wald zurück. Die  Angeklagten – zwei Männer und eine Frau - sind heute vom Landgericht Görlitz wegen erpresserischen Menschenraubs verurteilt worden. Er muss für acht, sie für sechs Jahre ins Gefängnis. Ein Dritter erhielt eine Jugendstrafe von zweieinhalb Jahren – ohne Bewährung.  

Es ging um Schulden, die das Opfer bei der 41-jährigen Angeklagten  hatte. Der 31-jährige Löbauer konnte die Raten nicht mehr abstottern. Seine frühere Bekannte wollte aber das Geld zurück. Sie lockte den schmächtigen und schüchternen Mann in den Löbauer Nordpark. Dort warteten die beiden anderen Angeklagten, ein 27-jähriger Pole und ein 19-jähriger Löbauer. Das Opfer erlebte ein Martyrium. Ihm wurde mehrfach die Nase gebrochen und Zähne ausgeschlagen. Seine Peiniger entführten den Altenpflegehelfer auf ein ehemaliges Armeegelände. Dort musste er sich nackt ausziehen. Der Pole peitschte ihn mit einem Gürtel aus.  Dabei verlor er seine Uhr. Daraufhin habe der Angeklagte ihn aufgefordert, kriechend nach der Uhr zu suchen. „Er drohte ihm die Zunge und die Genitalien abzuschneiden“, so der Staatsanwalt.

Splitternackt ließen sie das blutende Opfer zurück

Alle Drei raubten seine Habseligkeiten, die er bei sich hatte. Seine Bekleidung teilten sie später untereinander auf (bis auf die Boxershorts).  Splitternackt ließen sie das blutende Opfer in der Winternacht zurück. Der Altenpflegehelfer schleppte sich, fast kriechend, durch den Schneematsch knapp zwei Kilometer barfuß durch die Dunkelheit zu seiner besten Freundin. Ärzte stellten später u.a. einen vierfachen Nasenbruch, einen Jochbeinbruch, eine Kieferfraktur und zwei ausgeschlagene und drei angebrochene  Zähne fest. Außerdem war der Verletzte unterkühlt. Er leidet noch heute an den Folgen der Misshandlungen.

„Sie haben mir alles genommen“

Der Löbauer schilderte detailliert das Martyrium. „Ich wurde geboxt und geohrfeigt, in den Schnee gedrückt, mit dem Knie ins Gesicht geschlagen. Sie haben immer wieder zugeschlagen.“ Angekommen im Wald, versuchte er zu flüchten, wurde aber nach wenigen Meter eingeholt. „Dann musste ich mich komplett ausziehen. Auch die Kette, die mir meine Oma geschenkt hatte, wurde mir abgenommen. Sie haben mir alles genommen.“

Grausam und sadistisch

Das Gericht stützte sich bei der Verurteilung auf die  teilweisen Einlassungen der Angeklagten, auf die Schilderungen des Opfers und auf die Aussagen der Polizeibeamten. Der Vorsitzende Richter Theo Dahm bezeichnete die Tat als grausam und fast sadistisch. So etwas habe er in seiner mehr als 30-jährigen Dienstzeit selten erlebt.

Grinsen und heulen

Die Angeklagten zeigten unterschiedliche Reaktionen auf das Urteil. Während der 19-Jährige und die 41-Jährige mit den Tränen rangen, grinste der Dritte im Bunde. In seinem letzten Wort hatte er das Opfer diffamiert. Er sehe es nicht als Teil der Gesellschaft. Der Angeklagte wird die nächsten acht Jahre das Licht der Freiheit nicht mehr sehen.

Das Urteil kann noch angefochten werden.